Nur die Haltung?

(Stuttgart, 18.2.2018). Manchmal hören wir im Kontext der Gewaltfreien Kommunikation: "Es kommt doch nur auf die Haltung (mir selbst und anderen gegenüber) an - dann kann man so sprechen wie bisher und muss keine neuen Sprachmuster verwenden."
Aus unserer Sicht ist die "Haltung" ein - vielleicht sogar der - entscheidenede Faktor. Gleichzeitig erleben wir, dass uns das Erlernen der vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation unterstützt, zu einer veränderten Haltung zu kommen. Und das klassische Sprachmuster der Gewaltfreien Kommunikation kann uns gerade in den Anfängen der Begegnung mit der Gewaltfreien Kommunikation daran erinnern, sich zu besinnen und diese Haltung bewusst wahr- und einzunehmen. Übrigens: Oftmals kommt selbst eine klassische Formulierung in vier Schritten beim Gegenüber nicht als "formelhaft" an - die Schere scheint da eher in unseren Köpfen zu sein. Das ist zumindest unsere Erfahrung.
Wenn ich denn eine andere Haltung lebe, wäre es da nicht verwunderlich, wenn diese Haltung sich nicht auch in meiner Sprache, in meiner Wortwahl, ausdrücken würde? Ob das dann immer genau in der typischen Abfolge der vier Schritte sein "muss", das sei dahingestellt. Auf jeden Fall wird meine Sprache sich ändern: Beobachtungen, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten werden eine Rolle spielen. Und ich bin gerne bereit, die Verantwortung für meine Gefühle uu übernehmen und das auch in meinen Worten zum Ausdruck zu bringen.

Übrigens: Wir machen die Erfahrung - insbesondere in (potentiellen) Konfliktsituationen: Das Sich-Zurückbesinnen auf die vier Schritte "hilft" - und macht das Miteinander leichter. Die bekannte schwedische Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation Liv Larsson macht offenbar ähnliche Erfahrungen und formuliert es in ihrem gemeinsam mit Katarina Hoffmann veröffentlichten Buch "42 Schlüsselunterscheidungen in der GFK" so: "Sobald mein Lebensgefährte und ich merken, dass sich ein Konflikt anbahnt, gehen wir vom "umgangssprachlichen Giraffisch" zu "klassischem Giraffisch" über (gemeint ist damit die Struktur der 4 Schritte). Liv Larsson beschreibt dann, dass es ihre dabei um Verbindung geht - dass sie in Kontakt mit ihrem Gegenüber bleiben und die Kommunikation effektiv gestalten möchte.

Liv Larsson & Katarina Hoffmann, 42 Schlüsselunterscheidungen in der GFK, Junfermann Verlag


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